Born to be a teacher - Zum Lehrer geboren

Yanik, Mo
Born to be a teacher - Zum Lehrer geboren

1. Auflage 2019     Seitenzahl: 240
ISBN: 978-3-8340.-2058-1               20,00 €

Da hat ein Superlehrer den Stein der Weisen gefunden, die Weisheit mit dem Löffel aufgenommen. Und auf dem Löffel lag/ liegt das, was wir schon längst alles wissen, oder zumindest jede/r Einzelne teilweise wissen müsste. Das Herzensanliegen des Autors ist: Nicht jeder kann Lehrer/in sein. Oder noch besser: Nicht jede/r sollte Lehrer/in sein, weil Lehrersein ein Beruf, eine Berufung ist,  und nicht jede/r vor der Klasse Stehende berufen ist. Um seine Theorie zu untermauern, trägt der Kollege alle Eigenschaften zusammen, die eine gute (sehr gute) Lehrkraft ausmachen. Und das ist eine ganz schöne Liste. Das tut er immer in eigener Betroffenheit, emotional, subjektiv, persönlich höchst eingenommen, persönliche Betroffenheit immer reflektierend. Den Kollegen hätte man gerne in seinem Lehrerteam, denn er vereint alle diese Top-Lehrereigenschaften. Zumindest schreibt er sie sich zu. Ich mag ihm glauben. Aber einige Schwachpunkte wird er wohl doch auch haben!?

Auf der Basis seiner eigenen Erfahrungen, Erlebnisse und Wünsche fordert der Autor, dass die Hürden zum Lehramt höhergesetzt werden sollten, nicht einfach jede/r Lehrer werden kann, sich Bewerber selbst gründlich prüfen sollten, um später nicht Schiffbruch zu erleiden.

Der Beste (vor sich selbst) reflektiert sein Lehrerdasein, seine „Lehrerrolle“, weiß aber, dass man eine Rolle einnimmt, dass man sie spielt. Für ihn ist aber nicht das Spielen sondern das Leben des Berufs (berufen = gerufen, um Lehrer zu sein) das Essentielle. Was aber, wenn nur der Lehrer wird, der des Autors Ansprüche erfüllt? Dann stellt auch der Lehrermangel noch gravierender dar.

Etwas mehr Distanz bei der Analyse und Beschreibung wäre sicher wünschenswert, manch Leser wird sich vielleicht auch persönlich angegriffen werden.

Wer also kann mit dem Autor konkurrieren? Nicht verzweifeln bei Zweifeln!

Nehme jede/r mit, was für jede/n das Beste ist, was ihn/sie im Beruf weiterbringt und vorwärts bringt und das Berufsleben bereichert.

Also Herr Yanik: Ab in ein Kultusministerium!

Aber halt: Die Besten sollen doch in der Schule bleiben (müssen) – der Schüler zuliebe!                                   
Alle Beschreibungen und Forderungen gipfeln am Schluss in der Aussage „Die Schüler*innen haben nichts Geringeres verdient, als jemand vor ihnen steht, der nirgends sonst lieber sein möchte als bei ihnen.“ Da kann man wohl nur zustimmen. Und als Hilfe zur Gewissenserforschung ist das Buch sehr gut geeignet. Persönliche Betroffenheit ist garantiert.

Jochen Vatter

Was gute Lehrerinnen und Lehrer ausmacht

Carsten Bangert
Was gute Lehrerinnen und Lehrer ausmacht
- Und was wir von ihnen lernen können

Buch, broschiert neu 192 Seiten ISBN:978-3-407-63214-2 Erschienen:25. 11. 2020  
E-Book/pdf 24,99

Ganz anders an die Problematik „Was gute Lehrerinnen und Lehrer ausmacht“ geht Carsten Bangert in seiner empfehlenswerten Publikation heran. Als erfahrener Lehrer, Schulleiter und Referent baut er seine strukturierte Analyse auf vielfältigen Erfahrungen, Beobachtungen sowie empirischen Untersuchungen auf. Herausragende Lehr(er)-Persönlichkeiten ergänzen das lesenswerte  Buch mit ihren eigenen Biografien und lassen staunen, welch tolle Motivatoren, Organisatoren und Unterstützer es doch gibt. Kritik: Der Autor legt großen Wert auf die Förderung der 20% guten Lehrkräfte, die er identifiziert. Die aber brauchen doch die Zuwendung gar nicht. Ab und zu ein Lob, eine Streicheleinheit, eine Bestätigung. Bei denen läuft es doch sowieso. Die sind intrinsisch höchst motiviert. Was ist mit den Anderen? Die brauchen unsere verstärkte Hilfe, Zuwendung, großes Lob, wenn etwas gelungen ist, ein kleines Lob, wenn gute Ansätze zu erkennen sind. Damit auch nicht so gute Lehrer zu gutem Unterricht befähigt werden. Folgende Bedingungen zu schaffen, dass erfolgreiches Unterrichten möglich wird, ist Aufgabe guter Vorgesetzter und eines erfolgreichen Kollegiums: Anerkennung, Autonomie, anspruchsvolle Aufgabenstellungen, Austausch, ein adäquates Arbeitsumfeld. So will es der Autor und so wollen wir es für die als schwächer identifizierte Lehrkräfte. Das soll Anschub sein. Carsten Bangert zitiert John Hattie: Der Lehrer macht den Unterschied! Und je nach Disposition der Lehrkraft wird auch der Erfolg der Schüler ausfallen. Also folgen wir doch der Prämisse bei der Ausbildung und im realen Lehrerleben unsere Kolleg/innen gute Lehrkräfte sein oder werden zu lassen. Anregungen gibt der Autor zuhauf. Sie auf uns wirken und in uns wachsen zu lassen, dafür steht das Buch, das Lehrkräften jedes Alters und aller Schularten Lebenshilfe sein kann, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist. Besonders zu empfehlen als Grundlage für schulhausinterne Fortbildung.

Jochen Vatter

Lehrer werden - Lehrer sein - Lehrer bleiben

Lehrer werden - Lehrer sein - Lehrer bleiben
- Ein Praxisbuch zur Professionalisierung

von Röbe, Edeltraud; Aicher-Jakob, Marion; Seifert, Anja Fach: Schulpädagogik

Studium, Referendariat und Beruf: Das Lehrerwerden und Lehrersein erfordert immer wieder Anpassung und mutige Reflexion der eigenen Rolle. Dieser Band hilft, sich, ein Verständnis von pädagogischer Professionalität zu entwickeln und so langfristig erfolgreich und zufrieden zu unterrichten - auch in schwierigen Phasen.

ISBN 9783825251130           19,99 €                                            
1. Aufl 2019              Umfang 377 S.

 

Lehrer werden ist nicht unbedingt schwer, Lehrer sein und bleiben dagegen sehr. Viele hadern mit ihrem Lehrerschicksal und wagen trotz aller Schwierigkeiten keinen Absprung. Darum prüfe, wer sich an diesen Beruf bindet. Prüfen vor dem Beginn des Studiums, Prüfen vor und nach Eintritt ins Referendariat, und genauso immer wieder nach der Verbeamtung und während des langen Berufslebens. Das vorliegende Buch bietet einen Überblick über das gesamte Berufsfeld „Lehrersein“ und gibt Anstöße zur Reflexion darüber sowie die eigene Befindlichkeit. Aus der Praxis für die Praxis wollen die Autoren für den Leser Anreize schaffen, die zur Reflexion der gegenwärtigen Situation und zur Selbstreflexion anregen.  Sie schaffen die Möglichkeit sich „mit den eigenen Vorstellungen und Schwierigkeiten auseinanderzusetzen“, um den schulischen Alltag mit der eigenen Befindlichkeit in Einklang zu bringen, weil jede Lehrkraft in einem Spannungsfeld unterrichtet, in dem er vielen Zerreißproben ausgesetzt ist und sich immer wieder neu finden muss, um erfolgreich und gesund bleibend unterrichten zu können. Das gehört zur Professionalität.  Dazu will dieses (Hand)Buch beitragen. Es sollte jede Lehrperson begleiten.

Jochen Vatter

Bestnote: Lernerfolg verdoppeln. Prüfungsangst halbieren

Martin Krengel
Bestnote
Lernerfolg verdoppeln. Prüfungsangst halbieren

Mit über 100 Grafiken und den besten Last-minute-Tricks
Die ultimative Gebrauchsanleitung für das Gehirn!

Verlag Heyne, München, 2022,
Taschenbuch, Broschur
264 Seiten , Illustrationen, 120 Checklisten,
Bilder und Grafiken, ISBN 978-3-453-60609-8
Preis EUR 16,00 [DE] [inkl. MwSt]

Was ist ein „Arschretter“? Auf jeden Fall ein drastischer Begriff, der aber treffend beschreibt, was Lernende brauchen, um in Prüfungssituationen gut oder bestens abzuschneiden. Und wer will nicht mit geringem Aufwand möglichst gute Ergebnisse erzielen und dabei die Prüfungsangst auf ein Mindestmaß herunter zu schrauben! Krengels Buch will so ein „Arschretter“ für alle sein, die sich auf Prüfungssituationen vorbereiten, sich in solchen befinden oder sich ganz einfach schnell weiterbilden wollen. Das Buch ist deshalb wichtig, weil viele Lernende nicht wissen oder unsicher sind, wie sie an eine Lernaufgabe herangehen sollen. Zu selten oder zu spät wird unserer Klientel gezeigt wie man lernt, wie man strukturiert und effektiv lernt. Dazu leistet des Autors Werk einen hervorragenden Beitrag. Ganzheitliches Lernen, Lernen mit Spaß, mit Freude, mit Freunden, unterstützt von Ritualen und strukturiert, mit Mindmaps und Strukturkarten, eine Vielzahl von Tipps und Tricks helfen den Lesern Lernerfolge zu verdoppeln und Prüfungsängste zu halbieren oder sogar noch mehr zu minimieren. Um das zu garantieren bzw. anzubahnen, dafür bringt der Autor, Lerncoach und Motivationspsychologe alle Voraussetzungen mit. Lassen wir uns also auf Dr. Kringels Trickkiste ein und fischen die für uns passendsten Methoden und Hilfen heraus. Wäre schon erstaunlich, wenn nicht jede/r Leser/in etwas Neues oder Bestätigendes finden würde. Und jede Lehrkraft wird auch viel finden, das sie an ihre Schülerklientel weitergeben kann, um denen das Lernen zu erleichtern.

Jochen Vatter

Erfolgreich unterrichten kompakt - Ein Handbuch für angehende Lehrkräfte

Marco Ringel
Erfolgreich unterrichten kompakt, Ein Handbuch für angehende Lehrkräfte

310 Seiten, kartoniert, Hannover  2021,
ISBN  978-3-7727-1596-9, 29,95 €

Erfolgreich unterrichten – wer will das nicht!  Aber nicht jeder Unterricht, der individuell als erfolgreich wahrgenommen wird, ist letztlich auch erfolgreich. Warum ist Unterricht nicht erfolgreich? Welche Fehler werden gemacht? Auf der Basis seiner langjährigen Erfahrungen mit jungen Lehrkräften entwickelte der Autor ein Konzept, das hilft Fehler zu erkennen und Schwierigkeiten im Unterrichtsalltag zu bewältigen.  Besser noch ist aber vorab die Vermeidung von Fehlern.  Deshalb sind Anwendung und Umsetzung theoretischen Wissens im praktischen Unterricht Ziele seiner Ausführungen.

Unterrichtsplanung, Unterrichtsdurchführung, Gesprächsführung, Personale Kompetenz und Reflexion sind die fünf Bereiche, denen die fast 150 kompakten und prägnant geschriebenen  Einzelartikel zugeordnet sind. Die alphabetische Anordnung in den  jeweiligen Bereichen erleichtert die Suche nach ganz spezifischen Begriffen.

Richtiges, schülerorientiertes, positiv ausgerichtetes  Lehrerverhalten wird grundgelegt und begründet, damit Lehrerinnen und Lehrer damit unmittelbar ihren praktischen Alltags-Unterricht verbessern können. Relevante Fachliteratur am Ende jedes Einzelbeitrages lädt zur Vertiefung und weiteren Beschäftigung ein, je nach Interessenlage und erkannter möglicher Defizite.                                                       Die ausführliche Literaturliste zeugt von der akribischen Vorarbeit und dem Erfahrungswissen des Autors, der so viele Forschungsergebnisse einfließen lässt..

Ein besonderes Schmankerl: Spezifische Fallbeispiele typischer Unterrichtssituationen personalisierter Lehrkräfte werden untersucht, sowie diese Kriterien in alltäglichen Praxisbezug gebracht. Das lässt die Identifizierung des Lesers/ der Leserin mit der/ dem Handelnden zu und ist dem Lernprozess förderlich. An etlichen  Stellen verweist der Autor  auf den YouTube-Kanal „Schule im Gespräch“, in dessen Episoden jeweils ein pädagogisch- didaktisches Thema zur Sprache kommt.

Fazit: Gut geeignet und hilfreich für  Lehramtsstudierende, Referendarinnen und Referendare, für Berufsanfänger, aber auch für Lehrkräfte, die ihr Wissen und ihre Kenntnisse auffrischen und ihre Unterrichtsvorbereitung und-führung  optimieren wollen. Für Lehrerbildner und Dozenten als Arbeitsgrundlage und zur Erleichterung der Vorbereitung zu empfehlen.

Vorschlag für den Einsatz des Buches als Lehrunterlage im Seminar oder einer Lehrerfortbildungs-maßnahme: Jeder Teilnehmer macht sich ein Thema zu eigen,  stellt dieses vor, und das Plenum weitet die kompakte Darstellung durch Erfahrungswissen aus. Das Ergebnis wird in einem Web fixiert.

Jochen Vatter

Spiel in Kindheit und Jugend - Der natürliche Modus des Lernens

Bernhard Hauser
Spiel in Kindheit und Jugend
- Der natürliche Modus des Lernens

1. Seiten, kartoniert, Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 2021,  
ISBN 9783825252601, eISBN: 9783838552606, 25 €

Zäumen wir das Pferd von hinten auf.

„Das Pferd von hinten aufgezäumt“ meint in diesem Fall: Ein 40-seitiges Literaturverzeichnis bei einem Gesamtumfang von 415 Seiten lässt auf ein ambitioniertes, hervorragend  recherchiertes Werk schließen. Über ein Thema, von dem wir alle eine Ahnung haben, weil es alle und jeden betrifft. Den Begriff „Spiel“ gibt es in unzähligen Kombinationen. Spiele haben in unser aller Leben, ob Jung oder Alt, eine Bedeutung.                                                                               
Die vorliegende Publikation mit den wichtigsten Forschungsbefunden zum Thema ist fokussiert auf  die Abschnitte Kindheit und Jugend und bekommt somit Bedeutung für Erzieher/innen und Lehrkräfte. Insbesondere ist es ein Lehr- und Studienbuch für Studierende und Lehrende psychologischer und erziehungswissenschaftlicher Fachrichtungen. Für Eltern werden die Erkenntnisse aus dem Buch sicher einmal in Beratungsgesprächen relevant werden, als Kaufgegenstand wird es wohl wegen des Anspruchs und des Umfangs für diese Zielgruppe nicht in Frage kommen.„ Die Zusammenstellung der Beiträge ermöglicht wissenschaftlich interessierten Leser*innen die Breite des Themenfeldes zu erfassen und gleichzeitig vielfach empirisch fundiert in die Tiefe der Diskussion einzutauchen. „

Wer also intensiver in das  Feld der Spieltheorie eintauchen will, der ist hier an der richtigen Stelle. Hier gibt es Input genug für alle möglichen Zielgruppen. Es wird ja nicht nur um des Spielens willen gespielt, sondern Spielen legt auch Grundlagen für später. Für die Persönlichkeitsentwicklung, für Einstellungen, Haltungen, Werte und  Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Selbstverständlich und überaus wichtig stellen sich im Zeitalter des Digitalen und der sozialen Netzwerke für die Autoren die Bereiche digitale Spiele und gewalthaltige Computergames dar, die sich an die Vorstellung verschiedener Spielformen (Funktions-, Objektspiel und Konstruktionsspiel, Symbol- und Rollenspiel, Regelspiel, Bewegungs- und Sportspiele) anschließen.

Weitere bedeutsame Inhalte sind das Lernen im Spielunter Berücksichtigung der sozialen Entwicklung, dem Erlernen von Selbststeuerung und des Erwerbs sprachlicher sowie mathematischer Kompetenzen.  Die Spielförderung in der Familie und in Institutionen rundet ab, nachdem schon vorher das Eltern-Kind-Spiel unter die Lupe genommen wurde.

Fazit: Ein hochinteressantes, umfangreiches,  hilfreiches Handbuch, das mit Hilfe des Inhaltsverzeichnisses auch als Nachschlagewerk genutzt werden kann und gezielte, fundierte Informationen liefert. Geeignet ein unentbehrliches Standardwerk zu werden.

Jochen Vatter

Herausforderung HOMESCHOOLING

Zierer, Klaus
Herausforderung HOMESCHOOLING

2. erw. Aufl., Hohengehren (Schneider Verlag) , 2021, 103 Seitenzahl, ISBN: 978-3-8340-2100-7, 12,80 €

Homeschooling, Distanzlernen, Fernunterricht – Begriffe, mit denen das System Schule schnell und hart konfrontiert wurde. Die Pandemie stellte uns alle vor neue Anforderungen, Und sie ist noch nicht vorüber. Alle Beteiligten wurden zuerst einmal alleine gelassen. Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen fanden sich am Anfang der Pandemie im Regen stehend wieder. Erst langsam wurde ein Schirm aufgespannt, der Schlimmeres verhindern sollte. Konnte er das rückblickend? Nun – auf jeden Fall hat das Lehrpersonal sein Bestes gegeben, viele Schüler scheinen nicht so gut weggekommen zu sein, abhängig auch vom sozialen Umfeld. Und die Elternschaft war/ ist angesichts von (Teil-) Schulschließungen genervt. Niemand wünscht sie sich wieder zurück, denn Eltern können von Haus aus keine Lehrkräfte sein. Wo sollen sie auch auf die Schnelle das Wissen und die Kompetenzen hernehmen, die sich Lehrkräfte über Jahre hinweg aneignen. Wichtig ist, dass Eltern mit den Lehrkräfte in Kontakt sind und von ihnen Hilfestellung erhalten. Das war ja nicht in allen Fällen so: Wie oft fanden wohl Lehrerin und Lehrer und die Schulleitung keinen Ansprechpartner zuhause und war kein Herankommen an den/ die Schüler/in möglich! Aufgabe der Eltern ist es in allererster Linie Unterstützung zu geben, Interesse und Wertschätzung dem Lernenden gegenüber an den Tag zu legen. Und das wiederum muss eine Lehrkraft auch den Erziehenden nahebringen. Ohne das magische personale Dreieck Schüler- Eltern – Lehrkraft geht beim Homeschooling wenig.

Wichtige Erkenntnisse: Die Lehrkraftmuss auf die Lernenden zugehen, Kontakt suche, Hilfen geben, Feedback geben, ihnen soziale Kontakte ermöglichen, ihre Professionalität bedingt alles,  Corona bedingte „die Stunde der Lehrkräfte“ in höchstem Maße. Mit seinem Buch trägt Prof. Zierer zur Information, Sensibilisierung und Linderung möglicher negativer Auswirkungen der Schulsituation bei. Dabei nimmt er (als der „deutsche Hattie“) immer wieder Bezug auf Hatties Studie zum Visible Learning. Für die Zukunft heißt dies: aus Erfahrungen und nachgewiesenen empirischen Ergebnissen lernen und vermeiden, was zu vermeiden ist, Hilfestellung für das Lernsystem Schule anzubieten. Ergebnis: Gelungen, hilfreich, wichtig.

In diesem Zusammenhang sei auch auf folgendes Buch verwiesen, für das Prof. Dr. Zierer als Mitherausgeber zeichnet:
Marianne Lange-Singheiser, Ines Wippel, Klaus Zierer (Hg.), Sommerschulen als Lösungsansatz, Mit Praxisbeispielen, Schneider Verlag, Hohengehren 2022, 107 Seiten, kartoniert, ISBN: 9783834022202, 16 Euro

Sommerschulen als Lösungsansatz

Marianne Lange-Singheiser, Ines Wippel, Klaus Zierer (Hg.)
Sommerschulen als Lösungsansatz
- Mit Praxisbeispielen

Schneider Verlag, Hohengehren 2022, 107 Seiten, kartoniert, ISBN: 9783834022202, 16 Euro

Lock-Down, Shut-Down, Distanzlernen, Homeschooling, Wechselunterricht, digitales Lernen, Videokonferenzen, Quarantäne: Begriffe, die uns in den vergangenen Jahren, der Pandemie geschuldet, ständige Begleiter waren. Sie stehen für unregelmäßigen Unterricht und Unterrichtszeiten, eine Situation, die Lehrkräften, Schülern und Eltern gleichermaßen viel abverlangt. Verständlich, dass Schüler am Ende des Schuljahres Wissens- und Könnenslücken aufweisen sowie im Besonderen Defizite im Sozialverhalten erkennen lassen, die es auszugleichen gilt. Ein stimmiges Förderkonzept zum Schließen der Lücken zu entwickeln war deshalb das Ziel, dem sich ein Team des Lehrstuhls der Schulpädagogik der Uni Augsburg verschrieb. Als Ergebnis kann sich die Sommerschule BrückenWerk, entstanden in Kooperation mit dem Schulwerk Augsburg der Diözese Augsburg, sehen lassen.

Das Lernen lernen und erlebnispädagogische Übungs- und Arbeitsformen zur Stärkung des sozialen und kooperativen Lernens stehen im Mittelpunkt der Lehreraktivitäten. Selbstkompetenz und Sozialkompetenz sind die beiden Zielsetzungen, die im Fokus sind.

Selbstkompetenz, weil Schüler/innen beim Lernen alleine gelassen sind, müssen ihnen Instrumente an die Hand gegeben werden, um selbständig  und zielgerichtet Lernprozesse angehen zu können. Ihnen Lernstrategien im „Fach: Das Lernen zu lernen“ an die Hand zu geben ist ein wichtiger Bestandteil der Sommerschule. Je nach Altersstufe brauchen die Lernenden mehr oder weniger davon, denn das Thema muss ja auch im normalen Unterricht oben anstehen.
Die Sozialkompetenz zu fördern und zu stärken steht mit im Vordergrund des Projekts, da wir menschliche Wesen den Umgang mit anderen einfach brauchen, um uns zu sozialisieren. 
Diesbezüglich gibt es eine Vielzahl von Übungsvorschlägen und Lerntipps, die die Zielgruppen Lehrkräfte und Schülerschaft als überaus positiv empfinden, und die uns nicht nur aus der aktuellen  Sommerschule bekannt sind. Es sind Unterrichts- und Lern-/ Lehrempfehlungen, die auch für den normalen Schultag geeignet sind und  auch aus diesem stammen.

Interessant bei dem Projekt ist der Einsatz von Lehramtsstudierenden der Uni Augsburg als Lehrpersonen, die im Vorfeld geschult und für die sicher anspruchsvolle Aufgabe fit gemacht werden.  Die vorgeschalteten blockmäßigen Maßnahmen werden von diesen durchweg als positiv beschrieben. Vier Blockseminare vermitteln Bausteine und Anregungen für Beziehungsarbeit, Soziales Lernen, Diagnosekompetenz, Planungskompetenz, Lernstrategien sowie Evaluationskompetenz. In der Praxis werden die Unterrichtserfahrungen, die ohne den Zwang des Seminars gemacht werden konnten, als positiv bewertet. Und die Instrumente, die für das Vermitteln von Lerninhalten und sozialem Miteinander nötig sind, machen die jungen Kolleg/innen auch stark im alltäglichen Unterricht. Bei den teilnehmenden Kindern spricht die geringe Abbrecherquote für das Erfolgserlebnis.

Als Fazit die Aussage einer Sommerschullehrkraft: "Die Sommerschule sehe ich prinzipiell als Chance, den Kindern für zwei Wochen die Möglichkeit zu geben, Verpasstes (schulisch als auch sozial) aufzuarbeiten und mit einem besseren Gefühl in das neue Schuljahr zu starten. Das ist auch ein wichtiger Aspekt für die Zukunft, der in den Blick genommen werden sollte."
Insgesamt: Ein lobenswerter, zeitnaher Versuch Defizite freiwillig auszugleichen; ein Anfang, der gemacht ist und weiter verfolgt werden sollte. Ein Büchlein mit vielen wertvollen Tipps als Grundlage für die „Ferienschule“, erschwinglich und hilfreich gerade für junge Kolleg/innen. Eine Grundlage, auf der man schnell in ein Projekt einsteigen und die Motivation bei allen Beteiligten hochhalten  kann.

In diesem Zusammenhang sei auf folgendes Büchlein verwiesen, das Hilfestellung leistet: Zierer, Klaus, Herausforderung HOMESCHOOLING, 2. erw. Aufl., Hohengehren (Schneider Verlag) , 2021, 103 Seitenzahl, ISBN: 978-3-8340-2100-7, 12,80 €

Jochen Vatter

Sprechen Sie noch oder werden Sie schon verstanden?

Hartwig Eckert
Sprechen Sie noch oder werden Sie schon verstanden?
Persönlichkeitsentwicklung durch Kommunikation

4. aktualisierte Auflage. Sachbuch, kartoniert.
223 Seiten., München, Ernst Reinhardt Verlag, 2022
ISBN: 978-3-497031-33-7
21,90 Euro
Mit 18 Abbildungen und zahlreichen praktischen Übungen
Mit 31 Hörbeispielen zum Download

Ein originelles Coverbild und ein origineller Titel regen an auf das Buch zuzugreifen. Und der Untertitel zeigt das Ziel auf, dem sich der Autor verpflichtet fühlt. Eine originelle Herangehensweise zudem an ein Thema, das uns alle angeht, weil wir wollen, dass die positive Entwicklung der eigenen Persönlichkeit immer weitervorangeht. Und genauso wollen wir als Lehrkräfte und Erzieher, dass sich die Persönlichkeiten der uns Anvertrauten entwickeln.Passt gut in die entsprechende erfolgreiche Programmsparte des Verlags, die sich der Kommunikation verschrieben hat.
Sprechen, reden, etwas sagen, etwas aussagen meint ja nicht immer dasselbe. „Viel reden, wenig sagen“, den Spruch kennen wir alle. Das Richtige zu sagen, das das Gegenüber auch so versteht, macht gelingende Kommunikation aus.

Vorbildwirkung, elaborierter Code sind Grundlage des Gesprächs und Ziel: Den anderen und mich selbst weiterentwickeln, denn „eine Veränderung von individuellen Sprechmustern und Stimmausdruck hat Auswirkungen auf unsere Persönlichkeitsentwicklung“, so der Autor. Und so stellt er in vielen Beispielen Hinweise und grundlegendes Wissen vor, das diese Idee vorantreibt, wobei verbale und nonverbale Botschaften gleichermaßen eine Rolle spielen. Die Wirkung sprachlicher Äußerungen wird dabei analysiert und Fehlermeldungen werden kommentiert. Dies gelingt dem Autor auf Grund seiner immensen Praxis-Erfahrung sehr gut. Viele externe Hörbeispiele unterstützen dabei. Auf der einen Seite unterstützen sie, auf der anderen aber ist es schon gewöhnungsbedürftig, parallel zum Lesen auch noch einen Download laufen zu lassen. Aber sehen wir dies durchaus als positiven Aspekt des ganzen Unterfangens. Somit wird das Buch ein Gewinn für alle sein, die ihr Gesprächsverhalten und ihre Persönlichkeit zielgerichtet positiv verändern und optimieren wollen. Also haben Sie Mut zur Veränderung und wagen Sie den Griff zu einem besonderen (vielleicht auch gewöhnungsbedürftigen) Buch, das zu einem umsichtigen richtigen Gebrauch von Sprache sensibilisiert und die Vielfalt und Besonderheiten unserer deutschen Sprache in den Fokus rückt! Eine vierte Auflage kann nicht lügen.

Jochen Vatter

Hattie für gestresste Lehrer

Zierer Klaus
Hattie für gestresste Lehrer
Kernbotschaften und Handlungsempfehlungen aus John Hatties "Visible Learning" u.a.

Schneider Verlag Hohengehren, 4. Auflage, 2022, 133 Seiten, ISBN 978-3-8340-1400-9, Taschenbuch, 15,80 €

„Erschöpfte Lehrer, angeschlagene Schüler. Studie zeigt: Corona-Pandemie und Lehrermangel haben tiefe Spuren in den Schulen hinterlassen.“, so steigt die Mittelbayerische Zeitung vom 10. Juni 2022 (S 6) in ein Problemfeld ein, das eigentlich nichts Neues beschreibt. Die Belastung des Personals und der Schülerschaft ist seit Jahren offenkundig. Grundlegendes zu erneuern scheint notwendig. Unsere Lehrerverbände weisen darauf hin, aber viel, Großartiges scheint nicht passiert zu sein. Die Hattie-Studie und darauf fußend Prof. Dr. Klaus Zierers Buch sind  schon vor der Pandemie erschienen und weisen auf  Hilfsinstrumentarien hin, die die Situation lindern könnten.

Wenn die erste Auflage des Zierer-Buches auch schon 2016 erscheinen ist, so verdient die vierte, unveränderte Auflage aus 2022 der erneuten Erwähnung und Aufmerksamkeit, denn das Buch  ist und bleibt zukunftsweisend, geeignet Schule „umzukrempeln“. Viele reden über Hatties Forschungen, es ist IN sein Grundlagenwerk zumindest zu streifen, um Wissen bescheinigt zu  bekommen. Doch wer hat die Studie schon gänzlich gelesen? Wer hat sich die Übersetzung von Prof. Klaus Zierer schon zur Brust genommen?  Erziehungswissenschaftler sicher. Doch auch die „einfache“ Lehrkraft? Es wäre schön, wenn diese Rezensenten-Meinung zu einem Sturm der Entrüstung führen und widerlegt würde. Um die Lehrerschaft an die Kernbotschaften heranzuführen, wurde wahrscheinlich auch der etwas plakative Titel „für gestresste Lehrer“ (auch Lehrerinnen!) gewählt.
Es ist des Hochschullehrers Verdienst, diese Kernaussagen verständlich und beispielhaft zu erkläen und so unserer Zielgruppe praxisrelevant nahezubringen. Das Bildungsministerium von Mecklenburg-Vorpommern hält  das Buch als eine komprimierte Übersicht über Hatties Forschung für so wichtig, dass es allen Lehrerinnen und Lehrern in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt wurde. Das ist bemerkenswert und vorbildlich, um Lehrkräfte an grundlegende Erkenntnisse heranzuführen und zu erinnern, die das Lernen bestimmen und positiv beeinflussen. Insbesondere stehen für den Autor zehn Handlungsempfehlungen an erster Stelle, die uns Lehrkräften ja gar nicht so fremd sind. Diese sind (direkt dem Buch entnommen, die Hervorhebungen stammen vom Rezensenten):   

„Ich rede über Lernen, nicht über Lehren. Ich setze die Herausforderung. Ich sehe Lernen als harte Arbeit. Ich entwickle positive Beziehungen. Ich benutze Dialog anstelle von Monolog. Ich informiere alle über die Sprache des Lernens.  Ich bin ein Veränderungsagent. Ich bin ein Evaluator. Schülerleistungen sind eine Rückmeldung für mich über mich. Ich arbeite mit anderen Lehrpersonen zusammen."

Gliederung und schematische Aufbereitung der einzelnen Kapitel sind bemerkenswert zielführend und einleuchtend, hilfreich aufbereitet: Eine Reflexionsaufgabe für den Leser (Bewusstmachung von Fakten und Beziehungen steht vorab; dann stellt Zierer Ziele und Inhalte des Kapitels vor; dem schließt sich das ausführliche Kapitel an; die Kernbotschaft wird eindringlich und kurz verstärkt; eine Zusammenfassung schließt den Kreis zur Reflexionsaufgabe: Alle Aussagen werden durch Grafiken zu den Hattieschen Untersuchungen verdeutlicht und  untermauert.

Fazit: Das Buch ist hochinteressant, hoch aktuell, wird es das auch bleiben; aber es beschreibt keine  endgültigen Ergebnisse (denn die Welt dreht sich weiter!), sondern eine Zwischenbilanz mit bestimmter Aussagekraft auf der Basis der durchgeführten Metaanalyse; es ist besonders empfehlenswert, auch als positive Rückmeldung auf der Lehrkraft eigenes Tun. Besonders für uns Lehrkräfte hervorzuheben ist die Darstellung der Lehrerrolle: Ohne die Lehrkraft und deren Einstellung und Rollenverständnis geht gar nichts. Das kann jede/r Einzelne für sich selbst erkennen und definieren, das entscheidet über den Erfolg der Arbeit im Lernfeld Schule.

Also: Lesen und für sich das Beste adaptieren, egal ob Studiosus, erfahrene Lehrkraft oder Ausbilder. Moderne, zukunftsorientierte Schule muss auf dieser Basis stehen. Das Buch sollte jedes Bücherregal bereichern. Der Preis macht`s möglich.

Jochen Vatter

Sozial-emotionale Entwicklung mit Lernleitern (SeELe)

Thomas Müller, Anja Grieser, Stefanie Roos, Christine Schmalenbach
Sozial-emotionale Entwicklung mit Lernleitern (SeELe)
Ein Programm für die Sekundarstufe I  Mit einem Poster und umfangreichem Online-Material.

2022. 84 Seiten. 5 Abb. 19 Tab. DIN A4.
kartoniert, München 2022, Reinhardt-Verlag, ISBN 978-3-497-03142-9
€ [D] 26,90

Gleich vorab: Es ist der Verdienst der Autoren und des Verlages mit vorliegendem Buch ein spannendes Konzept von Lernen in den Vordergrund zu rücken. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Lehrkräfte schon von den Lernleitern gehört hatten. Eine Leiter dient dazu nach oben, also weiter zu kommen, Schritt für Schritt, Stufe für Stufe, Absatz für Absatz. Und wie man den Weg nach oben schafft und wie lange man dazu braucht, das muss der/die Einzelne selbst entscheiden, weil er/sie  selbst nur weiß wie sicher er/sie sich fühlt. Die verschiedenen Lern- und Leistungsniveaus werden dabei nicht als Hindernis oder Problem angesehen, sondern sind Aufgabe und Chance. „SeELe steht für sozial-emotionale Entwicklung mit Lernleitern und wurde entwickelt, um das sozial-emotionale Lernen für die Sekundarstufe I zu unterstützen.“ Dass und ob  dieser Bereich der persönlichen Entwicklung unserer Schüler/innen der besonderen Aufmerksamkeit bedarf, mag jede Lehrkraft und jedes Lehrerteam selbst für ihr Klientel beantworten. Ich meine, er kommt viel zu kurz und muss gerade in Zeiten pandemischer Maßnahmen wie Homeschooling, Wechsel- und Distanzunterricht viel mehr Beachtung finden. SeELe ist ganz dem individuellen Lernen verpflichtet, das je nach individuellem Bedarf in den verschiedenen Sozialformen, in eigenem Rhythmus und auf dem jeweiligen Lernstand erfolgt. Jede/r Schüler/in hat unterschiedlichen Förderbedarf!

Das spezifische (notwendig angstfreie und konkurrenzfreie) Lernen auf den Lernleitern erfolgt auf der Basis eines anschaulich gestalteten Plans, der folgende Bereiche behandelt, die entwicklungsbedingt für unsere Schülerschaft der Sekundarstufe I wichtig sind und in denen sie Hilfestellung brauchen und erwarten: Kooperation, Kommunikation, eigener Biografie, Freude, Angst, Trauer, Wut, Stolz, Scham, Ekel, Freundschaft, Sexualität, Konflikte. Wir wissen, dass diese entwicklungsimmanenten Meilensteine (Milestones) von jedem/r Jugendlichen anders bewältigt werden, was das vorliegende abwechslungsreiche Programm hinsichtlich der Einmaligkeit ihrer Lernprozesse rechtfertigt..

Wer mehr über die Geschichte und das Konzept der Lernleitern (Bestandteil der MultiGradeMultiLevel-Methodology (MGML)) erfahren möchte, sollte auch im Internet recherchieren.
Für den Umgang mit diesem Buch ist wichtig über das zugehörige Poster (978-3-497-03146-7) und den Online-Zugang zu verfügen, über den notwendiges Material abgerufen werden kann.

Empfehlung: Zugang zur Thematik in einer Gruppe finden; einfach eintauchen ins Thema; reizvolle Grundlage für eine Semester- oder Seminararbeit.

Jochen Vatter