Das Bildungsmagazin „Campus & Karriere“ beleuchtet regelmäßig die aktuellen Entwicklungen an den Schulen, in der Bildungsforschung und der Berufswelt. In der Sendung vom 23. März waren Politik, Experinnen und Experten gefragt, was sie sich von den Maßnahmen der KMK gegen den Lehrkräftemangel versprechen. Die Qualifizierung zu "Ein-Fach-Lehrkräften", das duale Lehramtsstudium und das Quereinstiegs-Masterstudium hatten Mitte März für Aufsehen und Diskussionen gesorgt. Im Studio dabei waren auch Helmut Holter, Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport, sowie Axel Gehrmann, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Didaktik und Empirische Unterrichtsforschung an der Fakultät Erziehungswissenschaften der Technischen Universität Dresden (TUD).
Unsere Kinder brauchen die Besten!
Simone Fleischmann, die Präsidentin des BLLV und stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) hatte sich schon Mitte März klar gegen die Deprofessionalisierung der Lehrkräfteausbildung positioniert. Für sie geht es zuallererst um die Frage, wie sich die Maßnahmen auf die Bildungsqualität auswirken: "Wir sind zuerst einmal sehr dankbar für den Dialog, denn offensichtlich ist jetzt überall angekommen, dass wir einen eklatanten Lehrkräftemangel haben. Die Debatte müsste sich jetzt aber unbedingt um die Qualität der Bildung drehen. Natürlich geht es um die Modernisierung der Lehrkräftebildung und es geht natürlich auch darum, möglichst schnell Menschen an die Schulen zu bringen. Aber wir haben Sorge, dass die jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen zu einer Deprofessionalisierung führen. Deswegen ist die Qualifizierung von Menschen, die jetzt durch neue Maßnahmen in die Schulen kommen, entscheidend. Denn die Kinder brauchen auch in einem engen Arbeitsmarkt einfach die Besten. Der Anspruch der Verbände ist natürlich der, dass grundständig ausgebildete Lehrkräfte mit fachlicher Expertise und hohem pädagogischem Know-how das Ziel sein müssen."
Mittelschule in Bayern unter Druck
"Wir beobachten sehr akut, dass immer weniger junge Menschen in Bayern sich aktiv für das Lehramt an den Mittelschulen entscheiden. Wir haben einen eklatanten Lehrermangel im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich und merken, dass wir den Kindern nicht mehr gerecht werden können durch individuelle Förderung und Differenzierung. Deshalb geht es darum, dass die Kinder die Besten brauchen. Und wenn wir dann zum Beispiel an der Universität Nürnberg-Erlangen sehen, dass dort im letzten Jahr 167 Sudentinnen und Studenten gestartet sind für das Mittelschullehramt und dieses Jahr nur 24, von denen momentan noch zwölf am Start sind, dann heißt das, wir haben insgesamt zu wenige. Wir verlieren auf der Strecke des Studiums Kolleginnen oder angehende Kolleginnen und Kollegen en masse. Und deswegen wird uns angst und bang, wie denn in Zukunft die verschiedenen einzelnen Schularten - mit der Vielgliedrigkeit wie sie hier in Bayern eben ist - aufrechterhalten werden können.