Der Weg der Bücher zurück in ihre Heimstatt am Bavariaring ist lang und verschlungen. Er beginnt mit der Einführung der Schulpflicht im Jahr 1803 und der Einrichtung erster Lehrerbildungsseminare ab 1809. Zu dieser Zeit lebten die meisten Volksschullehrer in prekären Verhältnissen und genossen selbst kaum mehr Bildung als ihre Zöglinge aus einfachen Verhältnissen. Nach Ansicht der damaligen staatlichen und kirchlichen Würdenträger brauchten Volksschullehrer keine grundlegende Bildung, Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen garniert mit etwas Allgemeinwissen würden hinreichen.
Wichtiger ist den Herrschenden damals die Kenntnis von Katechismus und Heiliger Schrift, sie war der Schwerpunkt der Lehrerbildung. Bis weit ins 19. Jahrhundert schließen Volksschullehrer ihre dürftige Ausbildung in den unter kirchlicher Kontrolle stehenden konfessionellen Lehrerbildungseinrichtungen ab - im Alter von etwa siebzehn Jahren. Doch in den Zeiten des politischen Umbruchs wächst der Wunsch der Lehrer nach einer vertieften Ausbildung und nach kontinuierlicher Fortbildung.
Lehrer sammeln Bücher
Mit der Gründung erster lokaler Lehrervereine zu Beginn des 19. Jahrhunderts beginnt sich ein höheres Verständnis ihrer Profession herauszubilden. Lehrer werden sich bewusst, dass sie die nachwachsenden Generationen formen. Die Lehrervereine beginnen Bücher und Schriften zu sammeln, den Kollegen zur Verfügung zu stellen und sie auf den gemeinsamen Sitzungen zu besprechen. In den Städten entstehen große Lehrerbibliotheken. Die älteste ist wohl die Lehrervereinsbibliothek in Nürnberg, deren Ursprung in das Jahr 1822 zurückreicht. In Augsburg entsteht im Zusammenhang mit dem vom Bayerischen Lehrerverein (BLV) gegründeten Schulmuseum im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Lehrerbibliothek.