Was motiviert Dich Lehrer*in zu werden?

Warum eigentlich Lehramt?

Weil es meine Mutter macht? Und meine Schwester? Und mein Bruder? Weil ich was mit Kindern machen wollte oder weil ich mich damit auskenne? Ich war schließlich 13 Jahre Schülerin. Nein, weil ich es einfach machen musste! Nicht wegen der vielen Lehrer in der Familie und auch nicht weil ich das Berufsbild so „gut“ kannte, sondern weil ich mich dazu berufen fühlte.

Okay, das klingt jetzt etwas überspannt, aber lasst es mich erklären: In meiner Schulzeit engagierte ich mich in der SV. Ich investierte viel Zeit und Energie mit dem Wunsch, die Schule verändern und vor allem verbessern zu können. Da rutschte ich irgendwie so rein, weil es mich packte. Über Unterrichtsmethoden diskutieren, oder darüber, wie guter Unterricht in der Oberstufe auszusehen hat und wie in den ersten vier Jahren. Zu fragen, was eine Klassen- oder Schulgemeinschaft stärkt. Das alles waren Themen, die mein Herz höher schlagen ließen und in denen ich in einen „Flow“ geriet.

Ein paar Jahre später schrieb ich mich dann in Bamberg für Grundschullehramt ein. Und der Wunsch von damals ist nach wie vor vorhanden: Die Schule zu verändern und sie besser zu machen. Jetzt werden die „alten Hasen“ von euch sagen, ich soll lieber gleich der Realität ins Auge schauen und meine Illusionen besser vergessen. Aber lasst sie mir doch, sie tun euch doch nicht weh. Obwohl ich weiß, dass ich damit an vielen Stellen ins Straucheln geraten werde, lasse ich mich darauf ein. Die Frage ist doch, was sollen unsere Schüler von uns lernen, wenn wir Lehrer keine Visionen mehr haben? Und ja, ich wollte gerne was mit Kindern machen!

Annika

 

Morgens viertel vor acht....

...kaum das Gebäude betreten stürmen schon die ersten Schüler auf mich zu: “Guten Morgen!”, “Heute ist es so warm, dass ich nur in T-Shirt gekommen bin!”, “Guck mal was ich heute dabei habe!”. Noch nicht einmal im Kassenzimmer angekommen habe ich schon sämtliche Mitbringsel von Zuhause bewundert, mein Beileid zum verstorbenen Hasen ausgesprochen und mir wurden gefühlte fünfzig Portfolios zum aktuellen Thema “Die Wiese” stolz präsentiert.

Solche Praktikumstage- leider nur einmal pro Woche während des Semesters- veranlassen mich immer wieder (zum Glück!) zurückzudenken, warum ich überhaupt Lehrer werden will. Solche Tage lassen mich schmunzeln und geben mir das Gefühl eine richtige Entscheidung am Scheideweg der Berufswahl getroffen zu haben. Viel zu oft sitze ich in den Katakomben der Uni (fest- so kommt es mir manchmal vor) und lasse endlose, zum Teil sehr sinnlose Seminare und Vorlesungen über mich ergehen. Was mich motiviert Vorbild, Welterklärer, Geschichtenerzähler, Trostspender ... (also Lehrer) zu werden, sind Lernerfolge und Fortschritte der Kinder, die man nicht nur hören, im Unterricht miterleben und begleiten kann, sondern sich auch als Nachmittags- und Wochenendbeschäftigung mit Nachhause nehmen kann (Hefte, Arbeitsblätter oder auch ganze Ordner). Mich reisst die Erwartungshaltung und Begeisterung der Kinder einfach mit.

Wer kann denn nach den geliebten Ferien schon bei “Ich bin glücklich, weil ich wieder in der Schule bin.” wiederstehen? Wen lässt es denn völlig kalt, wenn der Schüler oder die Schülerin vor Freude fast vom Stuhl kippt, weil er/sie endlich dahinter gekommen ist, wie man diese bestimmte Knobelaufgabe oder “Krönchenaufgabe” (=Zusatzaufgabe) löst? Natürlich, es kann nicht immer “Friede-Freude-Eierkuchen-Zeit” sein. Aber solche kleinen Momente bereichern und versüßen den (Berufs-)Alltag und sind in dem von mir angestrebten Beruf- dem Grundschullehrer- meiner Meinung nach einmalig!

Franziska

 

Du studierst arbeitslos

Diesen Satz habe ich am Anfang meines Studiums oft gehört. Damals habe ich mit der Kombination Chemie und Bio für Realschule angefangen. Jetzt studiere ich Englisch und Bio für Realschule – und höre diesen Satz noch viel öfter. Zugegeben sieht es für meine Fächer mit knapp 30% verbeamteten Lehrer*innen 2013 nicht gerade rosig aus, es könnte aber auch sehr viel schlechter sein. Anfangs haben mich solche Aussagen und Prognosen verunsichert. Inzwischen sehe ich sie jedoch gelassen.

Wer weiß schon, wie die Lage aussieht, bis ich fertig bin? Und überhaupt geht, es wirklich immer nur um Zahlen? Wie wäre es, wenn ich mich für das Studium entschieden habe, weil ich gerne mit jungen Menschen arbeite? Wenn ich Lehramt studiere, um Wissen und soziale Fähigkeiten zu vermitteln? Kurz gesagt, wenn ich mein Studium nicht nach Prognosen oder Gehalt, sondern nach dem, was mir Spaß macht und mich erfüllt gewählt habe? So falsch kann es nicht sein, glücklich zu sein.

Übrigens antworte ich mittlerweile auf diesen Satz: „Ach, es gibt so viele Möglichkeiten! Ich überlege ein Drittfach zu studieren, eventuell Wirtschaft. Die Möglichkeit einer Weiterbildung zur Mittelschullehrkraft finde ich spannend. Ein Auslandsaufenthalt würde mich auch interessieren, vielleicht an einer internationalen Schule in Asien. Außerdem gibt es ja noch andere Bundesländer, die sogar wieder häufiger verbeamten...“

Verena

 

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