Mit Händen und Füßen - Körpersprache im Unterricht

Wir kommunizieren permanent mit unserem ganzen Körper.

Uta Kirschnick, M. A., Sprecherzieherin (Univ.), Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte, über unbewusste Botschaften und wie man sie in den Griff bekommt.

Wie wir auftreten, wirkt unbewusst auf die Klasse. Wir kommunizieren permanent mit unserem ganzen Körper – schon durch die Kleidung, die Art wie wir stehen, uns im Raum bewegen, den Gesichtsausdruck, den Blick, die Art, wie wir unsere Hände verwenden. Auch die innere Haltung beeinflusst die äußere Wahrnehmung extrem. Als Lehrkräfte müssen wir multitaskingfähig sein, denn im Klassenzimmer laufen viele Dinge parallel ab. Dies fordert absolute Präsenz. Nehmen Sie sich doch daher, bevor Sie weiterlesen, die Zeit, einige Fragen zur Selbstwahrnehmung und zur Reflexion Ihres körpersprachlichen Verhaltens im Klassenzimmer zu beantworten:

  1. Mit welcher Einstellung betrete ich das Klassenzimmer? Welche Dinge gehen mir konkret durch den Kopf?

  2. Welche Körperhaltung nehme ich im Klassenzimmer ein? Wann und wie bewege ich mich im Raum?

  3. Wie setze ich Blickkontakt ein?

  4. Gibt es typische Gesten, Haltungen, Verhaltensweisen von meiner Seite, die die       Schüler kennen und worauf sie in bestimmte Weiser reagieren?

Zu 1.

Unsere Grundhaltung gegenüber unseren Schülern ist immer unbewusst präsent und kann sich auf die Stimmung im Klassenzimmer übertragen. Freuen Sie sich auf die Stunde? Auf die Kinder? Die Klasse wird es spüren. Das heißt nicht, dass negative Emotionen keinen Platz haben dürften. Wenn Sie sich über etwas geärgert haben, ist es angebracht, das klar anzusprechen. Sie sollten dabei aber eine positive Grundeinstellung haben und diese die Schülerinnen und Schülern spüren lassen.

Versuchen Sie ganz bewusst, Emotionen, die mit der Klasse nichts zu tun haben, vor der Tür zu lassen – und betreten Sie das Klassenzimmer mit einer positiven und damit professionellen Grundhaltung.

Zu 2.

Zeigen Sie auch körpersprachlich, dass Sie einen Standpunkt haben. Schüler brauchen, dass Ihnen die Lehrkraft vermittelt, einen Plan zu haben, den Überblick und eine klare Vorstellung vom Stoff. Dies führt zu einer entspannten und sicheren Lernatmosphäre. Schwimmt die Lehrkraft, schwimmen oft auch die Schüler. Suchen Sie sich im Klassenzimmer einen Ausgangspunkt, von dem aus Sie von allen gesehen werden.

Eine zentrale Rolle spielt der Muskeltonus, also der Grad körperlicher Gespanntheit. Körperliche Verspannung abzubauen, kann auch helfen, innere Überspannung zu lösen, gibt Ruhe und damit Sicherheit. Beim Reden vor der Klasse gilt es also, Körperhaltungen zu vermeiden, die eine Verspannung geradezu fördern:

  • Verschränken der Arme

  • Hochziehen der Schultern

  • Festhalten an Pult, Tisch oder Kugelschreiber

  • starrer und angespannter Stand

  • „Brust raus, Bauch rein“

Stattdessen gilt:

  • gerade, lockere Haltung

  • keine durchgestreckten Knie

  • Gewicht auf beide Beinen verlagern

  • hüftbreit stehen

  • Fußspitzen nach vorne

  • keine Stand-Spielbein-Wechsel (Dies kann Nervosität und Unentschiedenheit vermitteln.)

  • Schultern locker lassen

Stellen Sie sich einmal vor, eine Krone auf dem Kopf zu tragen! Dadurch geben Sie Ihrem Auftreten noch mehr Präsenz. Wenn Sie sich im Klassenzimmer bewegen, sollten dies motivierte Bewegungen sein. Sie sollten also grundsätzlich wissen, warum Sie sich zu welchem Zeitpunkt wohin bewegen.

Und was macht man nun während des Sprechens mit den Händen. Vorab: Gestik braucht man nicht künstlich zu inszenieren oder vor dem Spiegel einzustudieren, man hat sie.Je angespannter man ist, desto mehr tendiert man dazu, eine Haltung einzunehmen, die Gestik unterdrückt. Also: Gestik zuzulassen! Die Bewegung der Hände fördert den Sprechfluss und die Fähigkeit zu formulieren. Der Gesamteindruck wird lebendiger, es fällt den Schülerinnen und Schülern leichter zuzuhören. Wer Gestik unterdrückt, tut sich schwerer, Worte zu finden, baut kompliziertere Sätze und verwendet vermehrt Füllwörter.

Suchen Sie für Ihre Hände deshalb eine angenehme Ausgangsposition ungefähr in der Körpermitte, wo Sie Ihre Hände entspannt ineinanderlegen können. Von da aus kann eine individuelle Gestik entstehen.

Zu 3.

Stimmungen und persönliche Eigenschaften spiegeln sich besonders im Gesichtsausdruck. Er zeigt Emotionen und die innere Stellungnahme. Wer mimische Äußerung bewusst im Auge behält, kann den Blick „schärfen“ und lässt beim Gegenüber auf nonverbalem Kanal etwa Zustimmung, Ablehnung oder Kompromissbereitschaft  schnell erkennen. Schülerinnen und Schüler reagieren auf Mimik sehr sensibel, sind teilweise sehr erwartungsvoll – Wie ist unser Lehrer denn heute gelaunt? – und lesen dies (unbewusst) auch an seiner Mimik ab.

Wie die Gestik sollte die Mimik das Gesagte unterstreichen. Am besten ist sie

  • freundlich, locker und entspannt

  • dem Thema angemessen

  • engagiert

  • nicht eingefroren oder auf Dauerlächeln gestellt

Wenn Sie grundsätzlich einen freundlichen Gesichtsausdruck zeigen, kann ein ernster, fokussiert Ausdruck im Gesicht sehr wirkungsvoll sein, wen es etwa nötig wird, Regeln durchzusetzen.

Ebenso verhält es sich mit dem Blickkontakt. Blickkontakt fällt vor allem da auf, wo er nicht vorhanden ist. Genau das kann man auch bewusst einsetzen. Es führt kein Weg daran vorbei, die Schülerinnen und Schüler direkt anzuschauen, selbstverständlich ohne sie zu fixieren. Nur dann können sie sich angesprochen fühlen und motiviert werden. Signalisieren Sie auch beim Zuhören durch direkten Blickkontakt ihre Aufmerksamkeit und ihr Interesse an dem, was die Schüler sagen!

Zu 4.

Ihre Körpersprache soll inhaltlich zu ihren Aussagen passen, diese unterstützen. Wenn Sie, nachdem Sie das Klassenzimmer betreten haben, am Pult in ihrer Tasche kramen und währenddessen die Klasse um Ruhe bitten, signalisieren Sie nonverbal: Ich bin noch nicht angekommen. Körpersprache und inhaltliche Ansage sind dann nicht kongruent. Nonverbal-verbale Inkongruenz verwirrt Schülerinnen und Schüler. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Der Grund: Nonverbale Botschaften sind stärker als verbale. Wenn zwei Botschaften in Konflikt sind, wird die verbale Botschaft ignoriert und die nonverbale Botschaft befolgt.

Zudem spiegelt die Klasse das Verhalten der Lehrkraft. Die Klasse wird selbst noch nach Unterlagen suchen. Diese Spiegelung gilt auch häufig für die Stimmung. Eine Lösung: Setzen Sie in Ihren Klassen Anker! Das sind nonverbale Signale, auf die Ihre Schüler reagieren. Alles hat seinen Platz – im wahrsten Sinne des Wortes. So können sie je nach Situation eine bestimmte Position im Klassenzimmer einnehmen, zum Beispiel während der Gruppenarbeit für Fragen, für ein Gespräch unter vier Augen, zum Zeichen, dass die Partnerarbeit beginnt.

Grundsätzlich sollten wir uns als Lehrkräfte immer wieder bewusst machen, dass wir den halben Tag ungeschützt vor Publikum stehen. Erinnern Sie sich an Ihre eigene Schulzeit. Vielleicht haben Sie auch Strichlisten geführt, welcher Lehrer einen bestimmten Pulli wie lange getragen hat, wie oft pro Stunde „Äh“ gesagt wurde oder welche körpersprachlichen Auffälligkeiten sonst zu beobachten waren. Man wird genau beäugt. Das soll nun keine Angst erzeugen, aber es hilft, sich das bewusst zu machen.

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