Wir müssen Schule selbst erLEBEN!

Die Meinungen darüber, ob es sinnvoll ist, ein Praxissemester in das Lehramtsstudium einzuführen sind sehr unterschiedlich. Die einen meinen, ein Praxissemester würde uns Studierenden endlich die nötigen Erfahrungen geben, die anderen meinen ein Praxissemester wäre verschwendete Zeit, da wir diese Erfahrungen auch noch im Referendariat machen können. Über eines sind sich aber viele einig: Praxissemester hin oder her, das Lehramtsstudium muss praxisnaher gestaltet werden!

Es darf nicht sein, dass wir zukünftigen Lehrer noch nie an einem Elterngespräch teilgenommen haben. Es darf nicht sein, dass wir zukünftigen Lehrer noch nie eine Klasse alleine unterrichtet haben. Es darf einfach nicht sein, dass wir im Lehramtsstudium so wenig Erfahrung sammeln und am Ende unseres Studiums zwar theoretische Grundlagen haben, aber wenig Ahnung, wie diese umzusetzen sind.

Der Lehrberuf ist von Haus aus ein sehr vielseitiger und dynamischer Beruf. Eine Lehrkraft muss flexibel sein und schnell auf Situationen reagieren. Wir können uns nicht allein durch Bücher und Vorlesungen das Wissen aneignen, wie wir mit bestimmten Problemsituationen umgehen können. Dieses praktische Wissen kann uns schlicht und einfach nicht an der Universität beigebracht werden, deshalb braucht es sinnvolle Praktika bzw. schulpraktische Studien.

Jetzt mag der ein oder andere sagen: „Praktika gibt es doch schon? Was wollen die Studierenden denn noch?“ Ich entgegne: „Ja, das stimmt. Praktika gibt es schon. Diese sind aber erstens unzureichend und zweitens nicht wirklich sinnvoll.“ Ein Praktikum, in dem wir statt „aktiv mittendrin“ nur „still dabei“ sein und „beobachten“ dürfen, bringt mir genauso wenig, wie eine teilnahmslose Filmvorführung eines Professors an der Uni. Wir lernen die Klasse gar nicht richtig kennen und können uns nicht wirklich auf sie einlassen. Kein Wunder, dass die Qualität unserer wenigen Praxisstunden darunter leidet – vorausgesetzt wir dürfen überhaupt welche halten.

Praktika sollten meiner Meinung nach vielmehr nach dem „Learning by Doing“ Prinzip passieren. Wir lernen nun mal am besten, wenn wir etwas selbst erleben und dabei Erfahrungen sammeln. In einem Praxissemester hätten wir die Chance, uns wirklich in eine Klasse „einzuarbeiten“.

Dieses intensive Auseinandersetzen ist wichtig, denn nur so können wir endgültig entscheiden, ob der Lehrberuf wirklich das Richtige für uns ist. Wie sollen wir denn entscheiden, ob wir Lehrer werden wollen, wenn wir während des Studiums maximal vier Wochen am Stück tatsächlich in einer Klasse sind?

Zu einer Klassenführung gehört so viel mehr dazu, als das, was wir im Praktikum zu sehen bekommen. Wir müssen es selbst erleben – und das nicht erst im Referendariat, am Ende unseres Studiums!

Anmerkung: Der BLLV fordert mit seinem flexiblen Lehrerbildungsmodell u. a. mehr Praxis im Lehramtsstudium!

Die Autorin, Carina Schmidt, studiert Grundschullehramt in Passau und ist im Vorstand der Studierenden im BLLV aktiv.